„Warum keine Mali?“ – Ascherdonnerstag der SPD in Pulheim

Beigeordneter Herpel
Florian Herpel – Peter auf der Landwehr

Pulheim – 26.02.09 – SPD Pulheim hatte zum „Ascherdonnerstag“ eingeladen; „Em Silo“ hatten sich etwa 120 Menschen eingefunden, um den Auftakt des Superwahljahres 2009 mitzuerleben. Im Mittelpunkt des Interesses an diesem Abend stand der Bürgermeisterkandidat der SPD, Dezernent Florian Herpel, der mit Frau Wiebke gekommen war. An weiterer politischer Prominenz waren erschienen: Gabi Frechen (MdB), der Landratskandidat für den Rhein-Erft-Kreis, Hans Krings, sowie Guido van den Berg, der Vorsitzende der Rhein-Erft-SPD. Natürlich waren viele Ratsfrauen und Ratsherren erschienen, auch Gäste von der politischen Konkurrenz – siehe Bildergalerie.

Das „Drehbuch“ des Abends
Das „Drehbuch“ für diesen Abend sah so aus: SPD-Chef Peter auf der Landwehr (s. Foto: r.) – fängt zunächst moderat an, da ja auch Nicht-Genossen im Publikum waren; van den Berg soll dann die „Blechtrommel“ möglichst laut schlagen, gepaart mit scharfer Kritik an den „Schuldigen“ für die herrschende Wirtschafts- und Finanzkrise – und schließlich war dem Kandidaten Herpel (s. Foto: l.) – die Rolle zugedacht, sich als kompetenten „Moderator“ der Kommunalpolitik für die nächsten Jahre zu präsentieren. Man war gespannt, ob dies gelang.

„Unterirdischer Umgang mit den Bürgern!“
SPD-Fähnchen hingen an den Wänden des „Gewölbekellers“ der traditionsreichen Schänke nahe des Pulheimer Bahnhofs, wo sich mehr und mehr Menschen einfanden, um den Wahlauftakt der SPD hautnah mitzuerleben; es waren Getränke und Brezn von der Partei spendiert worden. Mit etwas Verspätung begrüßte dann Peter auf der Landwehr, der Chef der Pulheimer SPD, der zunächst den Fraktionschef Rolf Uebach wegen Krankheit entschuldigte, eher sachlich, wenn nicht sogar im Plauderton, die Gäste und begründete eingangs das „Warum?“ dieses „Ascherdonnerstags“ weit weg von Vilshofen, wo, so Landwehr – selbst aufgewachsen in Bayern -, wohl der politische „Aschermittwoch“ von Bauern „erfunden“ worden ist. Man wolle hier in Pulheim, so der SPD-Chef, auf diese Tradition zurückgreifen und den Versuch unternehmen, sich nicht nur den eigenen „Genossen“ zu präsentieren, sondern auch dem interessierten Publikum die Möglichkeit geben, ohne Parteibuch „Politik“ mitzuerleben. Ohne Umschweife ging es dann zum Hauptthema, welches keiner der Redner an diesem Abend auslassen wollte: „Wie geht es weiter mit der Kommunalwahl bzw. wann wird sie stattfinden?“ Landwehr warf der Landesregierung von NRW vor, dass mit dem Vorschlag, die Wahlen nunmehr am 30. August 2009 stattfinden zu lassen, 40 Mio Euro „rausgeschmissen“ würden, was „unverantwortlich“ sei, angesichts des ohnehin defizitären Haushalts des Staates. Dann bekam der amtierende Kämmerer Thelen – der „offensichtlich mit Geld wenig umgehen kann“ – in Pulheim eine Breitseite ab: Seit 2007 habe sich die Haushaltssituation verschärft; und dort, wo „Sparmaßnahmen“ schlicht keinen Sinn machten, wie beim Seniorenbeirat, gebärde sich die Verwaltung als „Sanierer“ und bringe aber die ältere Generation gegen die Politik auf. Sein Urteil war vernichtend: Die CDU und mit ihr die „bürgerliche Mehrheit“ plus die von ihr beeinflusste Verwaltung zeige einen „unterirdischen Umgang“ mit den Bürgern, abzulesen auch am neuen Konzept der „Müllentsorgung“, das schlicht „unsozial“ sei. – Man dankte ihm für diese deutlichen Worte mit Beifall.

„Warum keine Mali, warum nur Boni?“
Guido van den Berg, der auch seine „Genossen“ begrüßte, ließ unmissverständlich erkennen, dass Wahlkampf ist und machte eine Tour d’Horizont durch die immer mehr zerbröselnde Landschaft des Kapitalismus und geißelte dessen „Kapitäne“ und Ideologen, an der Spitze deren Manager. Natürlich meinte er Ackermann, ohne diesen namentlich zu nennen, den gefallenen „Liebling“ auch der liberalen Presse, der nicht „nur“ 1,4 Mio Euro verdiene, sondern „real“, also zuzüglich von „Boni“ auf 14 Mio per anno komme. „Wie kommt es“, fragte van den Berg in die Runde, dass diese „Herren“ auch dann noch Boni bekämen, wenn es „rasant abwärts“ geht? Van den Berg folgert aus dieser „Schieflage“ messerscharf: „Warum gibt es denn keine Mali, sondern nur Boni?“ –

„Wir Sozialdemokraten“, so sein Versprechen, „wir werden alle Steueroasen schließen“, „ohne Kompromisse“. Als Lösung, so der SPD-Chef des Rhein-Erft-Kreises, müsse ein „TÜV für Geldprodukte“ her, denn „Geld darf nicht die Welt regieren“ und: „Der Primat der Politik muss wieder hergestellt werden“. Das Publikum dankte es ihm mit heftigem Klatschen.

Ikonen der SPD: Selbert, Heineman und Brandt
Van den Berg nahm sich dann den arg geschundenen Seelen seiner Partei an, sicher vonnöten, angesichts der aktuellen bundesweiten Umfragen. Die Absicht war klar, die „Genossen“ sollten sich aufrichten, an den großen historischen Leistungen der SPD, nicht nur in der 60-jährigen Geschichte der Bundesrepublik, sondern noch weit vorher. „Wir haben mitgewirkt, dass es erste freie Wahlen in 1919 gegeben hat“ und dass „auch Frauen wählen“ durften. Dann machte er einen Rückgriff auf eine Ikone der SPD und deren Rolle während der Beratungen zum 1949 verabschiedeten „Grundgesetz“. Elisabeth Selbert, eine Frau aus Hessen, habe drei Anläufe im Parlamentarischen Rat unternommen, um durchzusetzen, dass „Männer und Frauen gleichberechtigt“ seien. – Viel Beifall darauf aus dem Saal, auch nach einem Verweis auf die großen Reformer Gustav Heinemann und Willy Brandt, der eine war Bundespräsident, der andere der erste sozialdemokratische Bundeskanzler nach dem II. Weltkrieg.

"Der ist ein guter Kerl, der kann das!“
Den Schlussakkord setzte der rhetorisch geschulte, gebürtige Grevenbroicher van den Berg am Terminvorschlag der Landesregierung für die Kommunalwahlen 2009: Zu seiner Kritik an denjenigen, die jetzt weiter den Versuch unternehmen, zu „manipulieren“, gehörte seine Aussage: „Schwarz-Gelb taktiert mit dem Wahltermin, betreibt Geldverschwendung und fördert die Politikverdrossenheit. Diese Trickserei muss ein Ende haben.“ Seine Schlussworte galten dann der Person, deretwegen er, wie er meinte, hergekommen sei: Florian Herpel, über den er urteilte: „Der ist ein guter Kerl, der kann das“! – Jetzt war der Beifall lang und laut, kaum hatte van den Berg mit einem „herzlichen Glückauf“ seinen Vortrag beendet.

„Ende der Politik nach Gutsherrenart!“
Dem Imperativ vom SPD-Chef von Pulheim – „Du bist dran!“ – folgte der amtierende Dezernent mit den „meisten Zuständigkeiten“ in Pulheim artig und begann mit einem Slogan, der wohl als Leitmotiv seines persönlichen „Wahlkampfes“ verstanden werden soll. „Schluss mit der Politik nach Gutsherrenart!“ und versprach „im Dialog mit den Betroffenen“ Politik zu gestalten. SPD-Kandidat Herpel deklinierte dann durch: Parkgebühren – die „müssen weg“, allenfalls sollten sie im „Zentralort“ bleiben, in Stommeln z.B. führten sie zum verheerenden „Abfluss von Kaufkraft nach Rommerskirchen“. Mit „170.000,- Euro“ den Barbarapark „aufzuhübschen“, sei mehr als problematisch; besser wäre es gewesen, mit dem Geld die „Erreichbarkeit der Bahnsteige“ zu verbessern, Wege auf den Friedhöfen „gehfester“ zu machen; Bänke dort aufzustellen, wo die Besucher sich mal ausruhen könnten usw.

„Wem dient es?“
Florian Herpel, das konnte man deutlich beobachten, wirkte gelöst und entspannt, erhob auch mal seine Stimme mit mehr Kraft und suchte Blickkontakt mit den Zuhörern im Saal. Sein größtes Plus, so das Urteil vieler, war die „freie Rede“ und seine „flexible Semantik“, also rhetorisch mal abzuweichen von typisch sozialdemokratischer „Wortakrobatik“. Beim Thema „Neonazis“ zeigte Herpel klar „Kante“. Es sei zu danken, dass im Sommer 2008 500 Pulheimer „50 Neonazis“ gezeigt haben, dass man sie ablehne; dies, so Herpel, war ein gutes Beispiel für „Zivilcourage“ und Verantwortung für ein Eintreten für den Erhalt eines friedlichen Gemeinwesens. Mittelverwendung öffentlicher Haushalte muss sich immer unter dem Blickwinkel „wem dient es?“ legitimieren. Dies gilt besonders für das „Konjunkturpaket II“. Man müsse viel Geld aus diesem Topf in die Hand nehmen, um etwa die beklagenswerten Zustände in den Schulen (Toiletten etc.) zu beheben; öffentliche Gebäude „energetisch“ auf Vordermann bringen. „Dort investiertes Geld“, so Herpel, bringe Aufträge für die lokale Wirtschaft und helfe, fixe Unterhaltungskosten, wie derzeit noch, zu senken. Nach seinem wiederholten Bekenntnis zum Ausbau der „offenen Ganztagsschule“ in Pulheim und der Forderung, „hier muss wieder Kriminalpolizei nahe zum Bürger, also nach Pulheim zurück“ – begleitet von starkem Beifall – kam das finale Versprechen des SPD-Bürgermeisterkandidaten Florian Herpel: „Ich appelliere an Euch alle, mich zu unterstützen“ und versprach seinen „Genossen“ mit „vollem Einsatz“ für den Erfolg bei den Wahlen „zu kämpfen“.

„Der ist glaubwürdig!“
Nach lang anhaltendem Beifall der Zuhörer wollte man das „Echo“ des Publikums in Erfahrung bringen. Evelyne, Lehrerin von Beruf, fand gut, dass mal an erfolgreiche SPD-Geschichte erinnert worden sei und lobte „ihren“ Kandidaten Herpel. „Er hat mir gut gefallen!“, und: Ihre Tischnachbarin dabei sekundierend: „Der Mann ist glaubwürdig!“.- Auch Genossin Sarah (21) war vom Abend angetan. Sarah ist derzeit „Dualstudentin“ in Sachen Ingenieur und Elektrotechnik und wird von FORD gefördert. Nach einem Jahr der Ausbildung in Köln-Niehl folgt ein Studium in Sankt Augustin. „Mir hat gefallen, dass Dinge angesprochen worden sind, die wichtig sind“, sagte sie. Und: „Herpel wächst mit der Rolle des Amtes als Kandidat für dieses Amt“. Gefragt nach der Prognose für den Wahlausgang, antwortete Sarah: „Herpel hat bessere Chancen als sein Mitbewerber, von dem man gar nichts hört!“

"Florian ist der bessere Mann!"
Auch die Vertreter der Jungsozialisten (JUSO) zeigten sich zufrieden mit der Präsenz von Herpel: Sven Cramer, JUSO-Vorsitzender, und dessen Stellvertreter, Markus Amman, urteilten übereinstimmend: „Guter Auftritt, gibt Optimismus für die Zukunft!“. Und: „Florian ist der beste, bessere Mann!“. – Überall, wo man sich umhörte, es gab nur Lob für die „Performance“ von Herpel. „Toll!“, „hat Profil gezeigt!“, „in der Wirkung immer besser!“ – usw. Zum Schluss treffe ich auf Juta Herrmann, die, wie sie sagt, in der SPD-Pulheim schon „fast alle Ämter“ inne hatte. Die ehemalige Ratsfrau (1989 – 1999) will es jetzt noch mal versuchen; im Wahlkreis 11, also in der „City“ von Pulheim wird die im Sternzeichen des Steinbocks (ehrlich, fleißig, treu) – geborene Mutter von zwei Kindern und drei Enkelkindern antreten. Auch sie fand den Auftritt von Herpel „sehr gut!“.

„Zu früh für eine Prognose!“
Auch die Gäste der GRÜNEN, Ratsfrau Groth und Fraktionschef Roth, waren mit dem Abend und der „Performance“ des Kandidaten Herpel „zufrieden“. „Rot-Grüne Schnittmengen seien auf den Punkt gebracht worden", pflichteten die beiden Kommunalpolitiker bei. Für eine Prognose zum Ausgang des Rennens war deren einhellige Reaktion: „Zu früh!“.

Gabi Frechen, der Gast aus dem Deutschen Bundestag und auch schon im Wahlkampf für die Bundestagswahlen im Herbst 2009, zeigte sich „sehr zufrieden“ mit dem Abend, dies belege auch die große Resonanz, wenn „fast 120 Leute“ hierher kommen. Auf Nachfrage betonte sie, dass sie darauf hoffe, mit ihrer Anwesenheit und mit der ihres Parteifreundes und Landratskandidaten Hans Krings, Florian Herpel als Bürgermeisterkandidat der SPD habe wirksam unterstützen können. Befragt nach ihren eigenen politischen Ambitionen sagte sie sehr selbstbewusst: „Ich will das dritte Mal in Folge" meinen Wahlkreis Rhein-Erft „direkt gewinnen!“.

„Ascherdonnerstag“: Gelungene Premiere?
Gar keine Frage: Der „Ascherdonnerstag“ der SPD war eine gut inszenierte Premiere und verdient in die „Verlängerung“ zu gehen, einmal müssten nun weitere „Präsentationen“ des Kandidaten Herpel folgen und der Ascherdonnerstag selber sollte zu einer festen Einrichtung der politischen Kultur der Stadt Pulheim werden. Schade, dass von der politischen Konkurrenz – sieht man mal von den „Sinnersdorfern“ ab – kaum jemand da war, warum auch immer.(EH)
Fotostecke www.in-pulheim.de (EH)