„Die GVG ist nicht zu teuer”

Mit Vehemenz hat der Hürther Bürgermeister Walther Boecker die Kritik des SPD-Stadtverordneten Klaus Lennartz an den Preisen der Gasversorgungsgesellschaft Rhein-Erft (GVG) zurückgewiesen. Die Veröffentlichung des Bundeskartellamtes, auf die Lennartz sich berufen habe und bei der die GVG als eher teurer Gasversorger aufgelistet war, sei überholt, so Boecker in einer öffentlichen Erklärung. In einer persönlichen Antwort an Lennartz stellte Bocker zudem fest: „Die GVG gehört nicht zu den teuren Anbietern und liegt unterhalb des Meridians dieser Tabelle“, also im eher günstigen Preisbereich.“

„Sehr komplex“

Boecker, auch stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der GVG, weist Lennartz zudem darauf hin: „Einen objektiven Preisvergleich der unterschiedlichen Tarife darzustellen ist sehr komplex und nicht punktgenau möglich.“ Der öffentlichen Erklärung samt „klarem Bekenntnis zur GVG Rhein-Erft“ schlossen sich ausdrücklich auch der Kreis sowie die Städte Hürth, Wesseling, Erftstadt, Pulheim und Frechen an, die entweder direkt oder über ihre Stadtwerke an der GVG mit unterschiedlichen Anteilen beteiligt sind. Gemeinsam halten der Kreis und die Kommunen 42,7 Prozent der GVG. Mehrheitseigner ist die Kölner Rhein-Energie AG.

Die zum Teil großen Preisunterschiede bei den Gasversorgern – der Anlass für Lennartz‘ Kritik – hätten unterschiedliche Ursachen, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Dabei spielten unterschiedliche Termine für die Preisanpassung ebenso eine Rolle wie die Größe und die Beschaffenheit des Versorgungsgebietes – also Ursachen für Kosten und notwendige Investitionen. Nach einer aktuellen Übersicht eines großen Nachrichtenmagazins im Internet „liegen die Preise der GVG unter dem bundesweiten Durchschnitt“. Grundsätzlich sei zudem festzustellen, dass sich der Gaspreis auch für die GVG am Ölpreis orientiere. Darüber hinaus weist Boecker im Namen der Kommunen darauf hin, dass die GVG allen Verbrauchern ihre Preiskalkulation zugänglich mache.

Auch Kritik an hohen Gewinnen der GVG wies deren Geschäftsführer Christian Metze zurück. Bei einem Gewinn von 6,3 Millionen Euro ergebe sich, gemessen am Stammkapital, eine Kapitalrendite von mehr als 30 Prozent. „Das Stammkapital ist aber bei Versorgern nicht allein das Maß, um die Verzinsung zu messen.“ Das zugrunde liegende Kapital beinhalte die Einnahmen für die Einrichtung von Hausanschlüssen. Dieses Geld werde nicht sofort als Einnahme verbucht, sondern werde dem Kapital zugerechnet. Dennoch sei die Rendite hoch, räumte Metz ein, das müsse bei einem kapitalintensiven Betrieb mit hohen Investitionen aber auch so sein. Vom Gewinn 2005 habe die GVG eine Million zurückgestellt, der Rest sei an die Eigentümer gegangen – der Löwenanteil mit 16 Prozent an die Stadtwerke Hürth, die kleinsten Eigentümer sind Pulheim und Erftstadt, sie bekommen je ein halbes Prozent des Gewinns. „Darauf haben die Eigentümer einen Anspruch“, sagt Metze, „schließlich haben sie auch irgendwann einmal Kapital gegeben.“ Die Preise zu senken sei für den einzelnen Kunden wenig interessant. Für die Städte und für den Kreis sei der Gewinn – neben der Gewerbesteuer und der Konzessionsabgabe – aber wichtig, denn es komme öffentlichen Einrichtungen und damit den Menschen zugute. Boecker formuliert es im Brief an Lennartz so: „Insofern sollten wir gemeinsam hinter der GVG stehen und damit hinter der Möglichkeit, mit den dort erwirtschafteten Gewinnen wichtige kommunale Aufgaben zu finanzieren.“

VON NORBERT KURTH (KStA)